2016 08 22 Liese CVK460Die Sorgen der heimischen Kalkindustrie finden Gehör bei CDU-Politikern in Berlin und Brüssel. Dies ist das Ergebnis eines Besuches der CDU-Bundestagsabgeordneten Christel Voßbeck-Kayser und des CDU-Europaabgeordneten Dr. Peter Liese im Lhoist-Kalkwerk im Hönnetal.

Die Kalkindustrie befürchtet, dass sie in Zukunft zu unrealistischen Treibhausgasminderungszielen verpflichtet wird. Die Kalkindustrie verfolgt die aktuelle Überprüfung des europäischen Emissionshandelssystems (ETS) für den Zeitraum 2021-2030 mit Sorge, da  bisher noch unklar ist welche Kosten auf die Industrie zukommen werden. Betroffen sind unter anderem auch die Lhoist-Kalkwerke in Menden, Lennestadt-Grevenbrück und Brilon-Messinghausen, sowie Kalkwerke anderer Unternehmen in Warstein und Erwitte.

„Die Europäische Kommission geht davon aus, dass wir unsere Emissionen immer weiter reduzieren können, doch wir stehen an technischen Grenzen. Zwei Drittel unserer CO2-Emissionen stammen aus dem chemischen Prozess der Kalkproduktion und sind nicht beeinflussbar“, erläutert Dr. Werner Fuchs, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Kalkindustrie e.V. Die Kalkindustrie gehört zu den treibhausgasintensivsten Industrien in Europa. Im Gegensatz zu anderen Produkten kann man Kalk allerdings nicht ohne CO2-Emissionen herstellen. Das ist physikalisch unmöglich, denn das klimaschädliche Treibhausgas wird bei der Herstellung von Kalk aus Kalziumkarbonat (CaCO2) im Verbrennungsprozess freigesetzt. Hinzu kommt der riesige Energiebedarf für den Verbrennungsprozess.

Dr. Peter Liese, der auch umweltpolitischer Sprecher der größten Fraktion (EVP-Christdemokraten) im Europäischen Parlament ist, versteht die Situation der Industrie gut: „Wir müssen das Klima schützen und die Europäische Union hat sich bei der Klimakonferenz in Paris verpflichtet 40% der Emissionen bis 2030 einzusparen. Aber auf der anderen Seite müssen wir die physikalischen Gegebenheiten anerkennen. Man braucht Kalk, unter anderem beim Umweltschutz und man kann ihn nicht ohne CO2-Emissionen herstellen. Deswegen sind die Anliegen der heimischen Industrie berechtigt und ich kämpfe in Brüssel dafür, dass sie umgesetzt werden. Es geht hier auch um Arbeitsplätze in der Region, deswegen habe ich mich besonders gefreut, dass auch der Vorsitzende des Betriebsrat Markus Kordes bei dem Gespräch dabei war.“

Auch die Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser, Mitglied im  Ausschuss für Arbeit und Soziales, betonte, dass eine Balance zwischen Klimaschutz und Wirtschaftsinteressen und insbesondere die Anliegen des Mittelstandes gefunden werden muss: „Produktionsverlagerungen können nicht das Ziel sein“. Die beiden Politiker sind sich einig, dass die Industrie nach wie vor von der kostenlosen Zuteilung der Emissionszertifikate profitieren soll.

„Bereits heute investiert Lhoist kontinuierlich in energieeffiziente, umweltschonende Anlagen“, so Paul Schipper, Vorsitzender der Geschäftsführung von Lhoist Germany. „Wir engagieren uns mit unseren Werken über viele Jahrzehnte an einem Standort, deshalb sind uns die Themen schonender Umgang mit Ressourcen, Umweltschutz und eine weitreichende Perspektive für unsere Mitarbeiter sehr wichtig.“

Kalk wird ganz am Anfang der industriellen Wertschöpfungskette eingesetzt. Die Hauptkunden des Werks Hönnetal ist die Eisen- und Stahlindustrie aber auch der Umweltschutz ist auf Kalkprodukte für die Luftreinhaltung, Trinkwasseraufbereitung oder Abwasserbehandlung angewiesen.

Liese zeigte sich bei dem Gespräch optimistisch: „Solange die CO2-Emissionen nicht vermieden werden können, brauchen wir Sonderregeln. Wer auf dem neuesten Stand der Technik ist, soll nicht bestraft werden“. In den nächsten Monaten wird die Überprüfung des EU-Emissionshandels in den EU-Institutionen beraten, die genaue Ausgestaltung ist noch offen.

Die Kalkindustrie hofft, dass in der Forschung Fortschritte erfolgen, sodass CO2 in Zukunft als Wertstoff weiterverwendet werden kann anstatt als Emission in die Atmosphäre zu gelangen. Bei der Verwendung von CO2 als Rohstoff konnten bereits erste Durchbrüche erzielt werden, zum Beispiel in der Herstellung von Kunststoff. Auch hier verspricht Liese, sich für bessere Rahmenbedingungen bei der EU einzusetzen.