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"Früher hatten alle Rücken, heute haben Sie Kopf"

2011-11-18_JU_ISerlohn_Burn-Out500

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Personen, die an psychischen Erkrankungen leiden, massiv gestiegen. Depressionen und Burn-Out-Syndrome treten immer häufiger auf und sind im Begriff, Volkskrankheiten zu werden. Das führt zu hohen Fehlzeiten der Arbeitnehmer und zu großen Einbußen im Bereich der Produktivität der Unternehmen. Ferner fallen durch die Behandlung immense Kosten für das Gesundheitssystem an. Aus diesem Anlass hatte die Junge Union Iserlohn (JU) in Kooperation mit der Christdemokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Iserlohn die Psychologin Renate Briese von Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer ins "Haus Gerdes" eingeladen, um über diese besorgniserregende Entwicklung ausführlich zu diskutieren.

Besonders in Bezug auf psychische Erkrankungen kursieren viele Vorurteile und das Thema werde oftmals tabuisiert. Jedoch seien die Krankheiten weitverbreitet. Vier Millionen Deutsche litten an einer Depression, während 10 Millionen

Mitbürger bis zum 65. Lebensjahr an einer erkrankten. Die Gründe für Depressionen und Burn-Outs seien vielseitig gelagert.

Eine besondere Rolle falle der Arbeitsbelastung zu. Auf den ersten Blick haben sich die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Es gebe bessere Vorbeugungsmöglichkeiten gegen Betriebsunfälle und die reguläre Wochenarbeitszeit sei durchschnittlich gesunken. Trotzdem seien viele negative Trends, die zu einem größeren psychischen Druck bei der Arbeit geführt hätten, zu verzeichnen. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse beeinträchtigten die soziale Sicherheit wesentlich. Die dadurch entstehende Besorgnis und Unzufriedenheit begünstige das Risiko, an einer Depression zu erkranken, massiv. Hohe Arbeitsbelastungen mit wenigen Ruhepausen erhöhten die Gefahr eines Burn-Outs wesentlich.

Deshalb hält es die Junge Union Iserlohn für unerlässlich, soziale und gerechte Arbeitsverhältnisse zu gewährleisten. Demnach sind Niedriglohnverhältnisse und befristete Arbeitsverträge, die lediglich auf das Drücken der Lohnkosten zu Lasten der Beschäftigten abzielen, nicht zu akzeptieren. Wer mit großem psychischem Druck aufgrund seiner Beschäftigungssituation leben muss, kann keine guten Arbeitsleistungen erbringen. Deshalb schadet der Missstand auch den Unternehmen!

Besonders besorgniserregend sei jedoch, so Briese, dass die Basis von Depressionen und Burn-Outs besonders schon in Kindesjahren zu suchen sei. Zum einen steige die Zahl der depressiven Kinder ebenso merklich wie die der Erwachsenen, zum anderen werden wesentliche Grundlagen auch durch falsche oder mangelnde Erziehung gelegt. Es sei nicht zu verkennen, dass die Gefahr, psychisch zu erkranken, deutlich höher sei, wenn man nicht lerne, mit Misserfolgen umzugehen und das Leben richtig anzugehen, informierte die Referentin. Darum habe es besondere Wichtigkeit, ein gesundes Verhältnis zu sich selbst und zu den Anforderungen, mit denen man konfrontiert wird, zu entwickeln. An dieser Stelle seien neben den Familien auch ganz besonders Schulen und Vereine gefordert. Wenn man in Kindesjahren Versäumnisse bei der Ausbildung der Psyche eines Menschen zulasse, werde dieser es im weiteren Leben sehr schwer haben.

Die Junge Union sieht besonders diesen Punkt mit brennender Besorgnis. In Zeiten sinkender Geburtenraten und daraus resultierendem Fachkräftemangel, kann es sich die Gesellschaft nicht leisten, durch mangelhafte psychologische Erziehung der Kinder ein solch großes Potenzial  zu vergeuden. Deutschland kann es sich nicht leisten, Kinder durch vermeidbare Versäumnisse in der Erziehung zu verlieren!

Aus diesem Grund fordert die JU Iserlohn die verantwortlichen Stellen auf, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Kindern und Jugendlichen Anlaufstellen geboten werden, um in belastenden Situationen einfach und unproblematisch Rat und Hilfe einzuholen oder einfach nur ein offenes Ohr für Ihre Probleme und Anliegen zu finden.

Eine zentrale Forderung der JU ist deshalb, die strukturelle Versorgung der Schulen und Betreuungseinrichtungen mit Kinder- und Jugendpsychologen zu gewährleisten. Denn gerade in Zeiten des Ausbaus der Ganztagsschulen und der weiter steigenden doppelten Berufstätigkeit der Eltern, kommt den Schulen eine fortwachsende Bedeutung in Bezug auf die Erziehung der Kinder zu. Dazu müssen die richtigen Schritte eingeleitet werden!

Psychische Erkrankungen sind ein ernsthaftes Problem, dem dringend Einhalt geboten werden muss. Ansonsten entsteht ein großes gesellschaftliches Problem. Ein zentraler Punkt ist deshalb auch die Enttabuisierung des Themas. Eine Depression oder ein Burn-Out muss genauso offen angesprochen werden können, wie ein Bandscheibenvorfall.


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