Frauen Union startet in Neuenrade Veranstaltungsreihe
"Die Rechte der Frauen im Wandel der Zeit", hieß das Motto der Auftaktveranstaltung zur Themenreihe "Frauen, die bewegen,
Frauen, die Spuren hinterlassen", zu der die Frauenunion des Kreisverbandes Mark in den Kaisergarten nach Neuenrade eingeladen hatte. Als Referentin brillierte an diesem Abend Christel Voßbeck-Kayser, u.a. CDU Stadtverbandsvorsitzende in Altena und Kreisvorstandsmitglied der Frauenunion. Christel Voßbeck-Kayser ist beruflich als Dipl.-Sozialpädagogin im Gesundheitsbereich tätig und Mutter von drei Kindern.
Sie nahm die gut 30 Zuhörinnen und Zuhörer mit auf eine Zeitreise, beginnend im 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit, die sie spannend und kurzweilig anhand von Fakten, Beispielen und Bildern vortrug. Im Laufe der letzten 100 Jahre haben Frauen viel bewegt, vieles erreicht. So verdeutlichte sie, dass die Entwicklung der Rechte der Frau verknüpft ist mit der Entstehung und Entwicklung der Emanzipation der Frau. 1908/09 durften Frauen erstmals regulär studieren, 1919 erhielten sie das aktive und passive Wahlrecht und 1949 schreibt das Grundgesetz die Gleichstellung beider Geschlechter fest. Dieses stellte eine bedeutsame Weichenstellung von Mann und Frau dar. Während der Kriegsjahre nahmen Frauen zwar immer wieder neue Aufgaben in der Gesellschaft und der Arbeitswelt wahr. Nach Rückkehr der Soldaten wurden sie jedoch aus dem öffentlichen Leben wieder verdrängt.
Aenne Burda, eine der großen Frauen des deutschen Wirtschaftswunders, kam nach den Kriegsjahren mit ihren Schnittmustern in Burda Moden auf den Markt. Sie verhilft so Millionen von Frauen zu erschwinglicher Mode. War der Ehemann in diesen Jahren der Meinung, dass seine Frau wegen ihres Berufes die Familie oder den Haushalt vernachlässigte, so konnte er das Arbeitsverhältnis aufkündigen. War er der Ansicht, dass die Ehefrau keinen Führerschein erwerben sollte, so konnte sie dies nicht. Ebenso durfte sie ohne Einwilligung des Ehemannes nicht Auto fahren. Der Ehemann besaß das "Letztendscheidungsrecht". Alles Dinge, die Frau (und auch Mann) sich heute nicht mehr vorstellen können. Das Leitbild "Ehe und Familie" bleibt im Rollenverständnis von Mann und Frau lange verhaftet. Erst mit Änderung des Familienrechts in den 70 er Jahren dürfen Frauen ohne Einwilligung des Mannes berufstätig sein - und dies ohne Einschränkungen. Damit endet das Bild der sogenannten "Hausfrauenehe".
Der Weg von Frauen in die Gleichberechtigung war ein langer Kampf und ist bis heute in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie vielfach noch hürdenreich und beschwerlich. Dies ergaben auch die Schilderungen der Teilnehmerinnen im anschließenden lockeren Gespräch über ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrer Rolle als Frau in der Ausbildung, der Ehe und im Beruf. Unterschiedliche Lehrmethoden, nach Geschlechtern geteilter Unterricht und Ausbildungsberufe fanden hier Erwähnung sowie Themen wie Altersversorgung, Elternzeit und moderne Studiengänge.
Die anwesenden jungen Männer und Frauen der Junge Union, sind der Auffassung, dass für Männer und Frauen zumindest gleiche Ausbildungschancen bestehen; dies zeigen die Wirtschaftsstudiengänge und sogenannten Querschnittsstudiengänge, jedoch sind noch immer Frauen in technischen Studiengängen unterrepräsentiert. Allerdings müsse die Umsetzung der Gleichstellung von Mann und Frau auch im eigenen Rollenverständnis deutlicher werden. Frauen sollten den Mut haben, sei es ehrenamtlich oder beruflich, Verantwortung zu übernehmen. Obwohl bereits Vieles erreicht ist, müssen noch weiterhin Rahmenbedingungen im Berufs- und Alltagsleben geschaffen werden, damit Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht wird. "Eine Familienpolitik, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht und die Einkommen sichert, ist ein wesentlicher Garant für die soziale Sicherheit", so Christel Voßbeck-Kayser.
In der Spielzeugwelt der Kinder ist ein unspezifisches Rollenbild und Rollenverständnis bereits abgekommen. Am Beispiel der Barbiepuppe machte Christel Voßbeck-Kayser deutlich, dass diese bekannte Puppe alles kann: in den 70 er Jahren von Feministinnen als magersüchtige Plage und Schönheit verpönt, kann die "Plastiklady" inzwischen mehr: Astronautin (1965), Chirurgin (1973), Soldatin (1990) oder sogar in 2000 Präsidentschaftskandidatin.
Mit der Veranstaltungsserie "Frauen, die bewegen - Frauen die Spuren hinterlassen" möchte die Frauenunion in verschiedenen Städten des Kreises Frauen ins Profil setzen, die sich auf unterschiedliche Art und Weise eingesetzt haben - sei es gesellschaftlich, politisch oder im kirchlich-sozialen Bereichen, im Beruf oder ehrenamtlich. "Nicht nur diejenigen, die hier besonders im "Rampenlicht" stehen oder standen, sondern auch diejenigen, die im Stillen, nicht im Vordergrund zum Miteinander in der Gesellschaft beigetragen und Spuren hinterlassen haben, sollen hervorgehoben werden", erklärte Kreisvorsitzende Bernadette Böger. "Wir möchten uns von ihrer Arbeit erzählen lassen und ihre Arbeit würdigen , wir möchten erfahren, was sie bewogen hat, den Weg zu gehen, was Ihnen gefehlt hat, welche Unterstützung nötig gewesen wäre oder auch noch ist, und wie Politik bei entsprechenden Handlungsfeldern mitwirken kann", so Böger weiter. Der Dialog unter den Generationen an diesem Abend, die engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer und nicht zuletzt der gut recherchierte Vortrag der Referentin trugen zum Gelingen der Auftaktveranstaltung bei.




